Club: United findet geliebte Heimat auf der roten Asche

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Die Fußballer von United erwecken den Sportplatz Waldlust immer mehr zum Leben – ein Übersee-Container dient künftig als Vereinsheim

Verlassen liegt er da, der Sportplatz Waldlust, der seinem Namen alle Ehre macht. Der Fußballplatz, umgeben von viel Grün, mutet schon fast wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten an: Während die Kunstrasenplätze aktuell nur so aus dem Boden schießen, erstrahlt er in sattem Rot. Er ist seit nunmehr sechs Jahren die Heimat von Hagen United e.V.

Und während der Fußballbetrieb des B-Kreisligisten in den vergangenen Monaten brach lag, waren die Mitglieder des „Pöhler-Clubs“ aktiv. Ein neues Vereinsheim sollte her. Und nicht nur irgendeins. „Ein klassisches Holzhaus wäre sicherlich günstiger gewesen, aber wir wollten etwas mit Charme, das uns widerspiegelt“, verrät Vorsitzender André Sänger.

„Rostlaube“ entsteht innerhalb von sechs Monaten

Und etwas Besonderes ist es tatsächlich geworden: Ein Übersee-Container wurde zum Vereinsheim ausgebaut, genannt die „Rostlaube“. Von außen in schlichtem Grau gehalten, prangen im Inneren die Vereinsfarben Gelb und Blau. Eine Theke, Sitzgelegenheiten, ein Fernseher, Beleuchtung, Regale – alles ist da. „Es ist klein und überschaubar, aber toll geworden“, merkt man Sänger und seinen Vorstandskollegen den Stolz über den Umbau an.

Ein halbes Jahr haben sie gewerkelt, die Pläne machten zwei passive Mitglieder, die als Architekten arbeiten. Und mit dem Ergebnis sind alle zufrieden: „Es ist noch schöner geworden, als wir es vermutet hatten“, betont Stefan Wewer, 2. Vorsitzender des Vereins.

Die Wände und die Theke schmücken Bilder aus sechs Jahren Vereinsgeschichte. Auf der roten Asche davor sind noch die Reste des gemeinsamen Fußballabends zu sehen. Demnächst soll eine Terrasse entstehen und die Außenbeleuchtung installiert werden. „Wir sind noch nicht fertig“, betont Sänger, der gemeinsam mit seinen Vereinskollegen noch einige Ideen hat.

Tonnenweise Erde und Schutt

Um die 20.000 Euro hat der Verein für die Arbeiten aufbringen müssen, mehr als geplant war: „Ohne die Unterstützung durch Sparkasse und Sparda-Bank hätten wir das nicht stemmen können“, ist Sänger dankbar für die Hilfe. Und wenn der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird, können sich die Fußballer über neue Ersatzbänke freuen. Gegenüber der Rostlaube wurden sie platziert. „Wir mussten erst einmal tonnenweise Erde und Schutt abtragen“, denkt Sänger an die viele Arbeit zurück.

Ersatzbänke und drumherum viel Grün: Im Stadion Waldlust reicht die Natur bis an das Spielfeld heran

Denn direkt hinter den Bänken beginnt der Wald, die Natur rankt schon jetzt um die überdachten Bänke. „Wir konnten nur nach der Arbeit und am Wochenende den Boden abtragen und alles fertig machen“, verrät Spielertrainer Kevin Reichmann: „Weil es zu der Jahreszeit so früh dunkel wurde, war es eher eine Nachtarbeit.“ Doch die hat sich gelohnt, künftig werden die Auswechselspieler nicht mehr nass. Dafür mussten Einwürfe auch schon mal aus der Botanik erfolgen, oder bei Regen entstand in der rechten Ecke „ein kleiner Wasserfall.“ „Wir empfehlen Gegnern auch schon mal, sich richtige Fußballschuhe zu kaufen, wenn sie bei uns kicken wollen“, berichtet Sänger mit einem Grinsen.

Kicker halten an Ascheplatz fest

Doch wieso halten die „United-Kicker“ an dem Ascheplatz fest, während der Großteil der Fußballer die Modernität eines (Kunst-)Rasenplatzes bevorzugt? „Wir hätten natürlich auch versuchen können auf den Kunstrasenplätzen unterzukommen“, gibt Sänger zu, dass es Überlegungen gab – die allerdings schnell verworfen wurden: „Es geht uns darum, nicht nur die Trainingseinheiten hier abzuhalten und dann geht jeder seines Weges. Wir wollen die Geselligkeit und die haben wir hier, wo wir für uns sind.“ Die Waldlust sei innerhalb weniger Jahre zu einer Heimat geworden. Und das trotz oder gerade wegen der Abgeschiedenheit.

„Kein Platz für Rassismus“ auf dem Sportplatz Waldlust

Während die Vorfreude auf die Saison noch aufrecht erhalten werden muss, laden die „Pöhler“ am heutigen Samstag zu ihrem ersten Event nach Corona ein: „Kein Platz für Rassismus 2021.“ Ab 19 Uhr (Einlass ab 18 Uhr) hält Manuel Christmann einen Vortrag zum Thema „Rassismus auf Fantribünen“, bevor in der „zweiten Halbzeit“ der Ronny Blaschke über „Rassismus im Fußball“ referiert.

Dabei wird auch die „Rostlaube“ eingeweiht. „Wir freuen uns“, ist Sänger froh, dass das Ereignis möglich ist und Besucher in die Waldlust lockt. Denn für Hagen United ist der Ascheplatz nicht nur eine Ausweichmöglichkeit, sondern viel mehr. Ein Stück Heimat.


Text: Linda Sonnenberg/WP; Fotos: Patricia Patzelt

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