Club: Mehr als „nur“ Fußball

In der Kabine herrscht gute Stimmung, es wird gelacht, geredet und gescherzt – wie bei vielen Fußball-Mannschaften.
Doch Hagen United ist ein ganz besonderes Team, denn es ist der einzige Verein in Deutschland, der als Flüchtlingsklub gegründet wurde.
Unter der Führung von Spielertrainer André Sänger, der zeitgleich auch Vorsitzender ist, wird das Team in der Rückrunde der Kreisliga C außer Konkurrenz auflaufen. Ab dem Sommer dann auch als regulärer Teilnehmer am DFB-Spielbetrieb.

Gemeinsame Leidenschaft

Darauf freuen sich auch Lukas Penther und und Shayan Pirazade. Der eine – Lukas Penther – ist Deutscher und spielte zuvor bei Fortuna Hagen. Der andere – Shayan Pirazade – ist vor sechs Monaten aus dem Iran nach Deutschland geflohen. Beide verbindet die große Leidenschaft zum Fußball.
„Ich habe über André Sänger den Kontakt gehabt und bin dann einfach zum Training gekommen“, erklärt Penther. Der lange Schlacks wurde super aufgenommen und entschied sich zum Bleiben. „Ich habe mich bei Fortuna abgemeldet und bin hierhin gewechselt. Aber Fortuna steht voll hinter mir und diesem Verein. Die finden das alle echt klasse und unterstützen uns.“
Gegen die dritte Mannschaft der Fortunen absolvierte United bereits zwei Trainingsspiele. Die Beteiligung bei den Übungseinheiten insgesamt ist sehr hoch. An drei Abenden in der Woche bittet Sänger sein Team zum Aufgalopp auf den Sportplatz Waldlust.

Gute Trainingsmoral

„Es sind immer um die 20 Leute beim Training und die Jungs haben auch immer große Lust aufs Spiel. Dabei müssen sie abends stets im Dunkeln nach Hause laufen, aber das stört sie nicht“, erzählt Penther. Er ist einer von fünf De

utschen im Team. „Wir versuchen möglichst viel Deutsch zu sprechen.“
Ein bisschen Deutsch spricht auch Shayan Pirazade. Der Iraner ist gemeinsam mit seiner Frau geflohen. Sie werden in ihrer Heimat verfolgt, weil beide zum Christentum konvertierten. „Ich bin vor vier Jahren Christ geworden, meine Frau im letzten Jahr“, erzählt Shayan. Über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich ist er nach Deutschland gekommen. Insgesamt 20 Tage dauerte seine Flucht, ehe er in der Bundesrepublik ankam.

Gefährliche Flucht

Dabei war besonders die Überfahrt mit dem Boot besonders gefährlich. „Das Boot war sehr klein, nur für fünf Personen ausgelegt und wir waren mit 20 Menschen darauf – da habe ich dem Tod in die Augen geblickt“, erzählt Shayan.
Rückhalt findet der Protestant in der evangelischen Kirche in Haspe und bei seinem Pastor Jürgen Schäfer.
Im Iran arbeitete Shayan als Designer. Doch das Arbeiten am Computer möchte er in Zukunft gegen eine viel praktischere Arbeit eintauschen – er will Zahnarzt werden. Dafür besucht er fleißig Deutschkurse, sowie Mathematik- und Englischkurse. „Ich denke, ich kann das gut“, sagte er über sein Berufsziel.
Neben dem Job spielt er leidenschaftlich Fußball. Im Iran war er drei Jahre Profi beim FC Bargh Shiraz. Der Klub, der 1946 gegründet wurde von Fabrikarbeitern eines Glühbirnenherstellers, spielte bis 2009 in der höchsten iranischen Liga, ehe er in die zweiklassige Division 1 abstieg. Vor der Spielzeit 2015/16 wurde der Verein sogar zwangsweise in die dritte Liga versetzt, da er  finanzielle Probleme hatte.

Torjäger

Jetzt geht Shayan für Hagen United auf Torjagd. Durch einen Freund wurde der Stürmer auf den Verein aufmerksam.
Er hofft, weiter für United kicken und in Deutschland bleiben zu können, denn ein Zurück in den Iran gibt es für ihn nicht, da ihm und seiner Frau dort schwere Strafen drohen.

Text: Heiko Cordes

Torjäger Shayan Pirzade (l.) gegen den RSV Selbecke. Foto: Mithat Köseoğlu

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